Im Wintersemester 2025/26 finden die interdisziplinären Lunch Lectures „Denkanstöße – Food for Thought“ in Kooperation mit dem Queer*Referat des AstA unter dem Titel „Demokratie unter Druck: Autoritäre Wende, Antifeminismus und Angriffe auf Wissenschaft“ statt. Nach einem ca. 25-minütigen Impulsvortrag wird in lockerer Runde diskutiert. Alle, die sich für die Themen der Reihe interessieren, sind herzlich dazu eingeladen, sich status- und disziplinübergreifend auszutauschen und in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Tee zu vernetzen.
Please, bring your own lunch!
Die Lunch Lectures finden in der Regel Dienstags um 12:15 Uhr im Philosophicum (Fakultätssaal, Raum 01-185) statt.
Weitere Informationen, sowie das Veranstaltungsarchiv vergangener Semester, finden Sie hier.
11.11.2025 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Im Sommer 2023 warnten die Sozialwissenschaftler:innen Daniel Mullis, Maximilian Pichl und Vanessa Thompson mit Blick auf das Erstarken der AfD vor „autoritären Kipppunkten“. Seien diese einmal überschritten, werde „der Boden brüchig, auf dem plurale und demokratische Gesellschaften stehen“. Zwei Jahre später sind viele der Prozesse, die uns auf solche Kipppunkten zusteuern lassen, weiter fortgeschritten – nicht nur in Deutschland, sondern auf in vielen Teilen der Welt. Diese Diagnose verlangt eine Prüfung des analytischen und konzeptionellen Instrumentariums, das uns zur Verfügung steht, um autoritäre Entwicklungen beschreiben, verstehen und in sie eingreifen zu können. Der Vortrag diskutiert einige der prominentesten Angebote zur Deutung der gegenwärtigen „autoritären Wende“. Dabei steht die Frage nach dem Verhältnis von „Vergangenem und Gegenwärtigem“ im Zentrum: Welche Genealogien der gegenwärtigen Situation sind hilfreich? Welche historischen Analogien nützen der kritischen Zeitdiagnose heute? Und wo müssen wir von etablierten Annahmen und Interpretationsmustern abrücken, um die Dynamiken aktueller autoritärer Kipppunkte besser zu begreifen?
Dr. Benjamin Opratko ist Politikwissenschaftler und Chefredakteur der in Wien erscheinenden Zeitschrift TAGEBUCH.
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
20.11.2025 | 12:15 | Infobox (Achtung: Donnerstag!)
Ort: Rote Infobox (am ReWi I), Jakob-Welder-Weg, 55128 Mainz
Inwieweit haben wir es aktuell mit einer Autoritarisierung von Geschlechterpolitiken zu tun? Welche Rolle spielen die (auch weltweit) zunehmenden Angriffe auf LGBTIQ+ Rechte, Gleichstellungs- und Diversitätspolitiken für De-Demokratisierungsprozesse und für rechtsautoritäre Verschiebungen gesellschaftlicher Hegemonien und Normalitäten? Inwieweit fungieren ‚normalisierte‘ Geschlechterungleichheiten ‚in der Mitte der Gesellschaft‘ als produktive Anknüpfungspunkte und offene Flanken für gesellschaftliche Autoritarisierungs- und De-Demokratisierungsprozesse? In Rekurs auf ausgewählte (transnationale) Diskursstrategien und Politiken aktueller und Anti-LGBTIQ+ und Anti-Gender-Mobilisierungen diskutiert der Vortrag das komplexe Verhältnis von Autoritarisierung, demokratischer Pluralität und Geschlecht/erverhältnissen und fragt danach, inwieweit eine Ausweitung der Rechte und Anerkennung queerer Personen und queeren Lebens als wichtige Form einer ‚Demokratisierung der Demokratie‘ gelten kann.
Christine M. Klapeer ist Professor*in für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Direktoriumsmitglied des Centers for Diversity, Media, and Law (DIML). Sie leitet ein Teilprojekt in dem von der Volkswagen Stiftung geförderten Verbundprojekt „LGBTIQ* Movements as Agents of Democratization“ und ist Co-Sprecher*in des im Januar 2026 startenden LOEWE-Schwerpunktes „Gender, Demokratie und Autoritarismus in ‚Entangled Modernities‘ (GenDem)“
02.12.2025 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
Welche politisch motivierten Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit gibt es in Deutschland? In jüngster Zeit wird auch in Deutschland, vor allem angesichts des immensen Drucks, den die US-Regierung auf die Wissenschaft in den USA ausübt, öffentlich ausführlicher und intensiver über (mögliche) Gefährdungen akademischer Institutionen und Wissenschaftler*innen durch politische Akteur*innen informiert und diskutiert. Damit ändern und erweitern sich (endlich) die Problembeschreibungen im Diskurs über Wissenschaftsfreiheit, denn statt über (meist mehr oder weniger fragwürdige) Cancel Culture-Vorwürfe geht es nun tatsächlich um handfeste Eingriffe wie Zensur, offen forschungsfeindliche destruktive Maßnahmen sowie eine (versuchte) Lenkungswirkung durch den ‚goldenen Zügel des Geldes‘. Dieser Situation sehen wir uns in Deutschland zwar nicht ausgesetzt, gleichwohl können vor dieser Folie Bedrohungsszenarien und Erfahrungen (z.B. aus Ungarn) neu wahrgenommen, auf die Vertreter*innen einzelner Fächer und Forschungsfelder mit besonders langer Diffamierungs- und Angriffsgeschichte wie z.B. Gender Studies seit vielen Jahren aufmerksam zu machen versuchen.
Im Input wird es zum einen um das Feld der Politisierung von Wissenschaft im politischen Raum und mit öffentlicher Wirkung gehen, wie sie etwa die AfD in Deutschland programmatisch und sehr konkret betreibt. Zum anderen möchte ich dazu anregen, über das Selbstverständnis von Universität als demokratischer Institution nachzudenken und über die Frage, was dies für die innerakademische und öffentliche Kommunikation bedeutet. In beiden Kontexten werden grundsätzliche Fragen aufgegriffen: Welche Gefährdungen erleben einzelne Forscher*innen (vermehrt)? Wie können sowohl einzelne Forscher*innen als auch Hochschulen (besser) vor möglichen Eingriffen geschützt werden? Auf welche Bedrohungen sollten sich Institutionen/Hochschulen vorbereiten – und wer sind ihre Bündnispartner*innen? Wie kann academia resilienter gemacht werden gegen Angriffe?
09.12.2025 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
In vielen liberalen Demokratien lässt sich derzeit eine autoritäre Wende beobachten: Rechtspopulistische Bewegungen und konservative Gegenreaktionen stellen gesellschaftliche Errungenschaften in Frage, die lange als gesichert galten – insbesondere im Bereich von Diversität und Gleichstellung. Der Vortrag geht der Frage nach, wie Marginalisierung und Mobilisierung in dieser Phase demokratischer Verunsicherung miteinander verflochten sind. Aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive, wird gezeigt, wie Diskurse um Identität, Zugehörigkeit und „Normalität“ als politische Machtinstrumente wirken. Dabei stehen nicht nur Prozesse der Diskriminierung und Ausgrenzung im Fokus, sondern auch mögliche Strategien, mit denen marginalisierte Gruppen auf diese Herausforderungen reagieren können. Im Zentrum steht die These, dass sich an den sogenannten gesellschaftlichen Rändern neue Formen demokratischer Praxis entwickeln – etwa durch Allianzen zwischen queeren, migrantischen und anderen marginalisierten Communities. Diese Praktiken der Solidarität, Sichtbarkeit und gegenseitigen Unterstützung können als Gegenbewegungen zur autoritären Verengung gesellschaftlicher Räume verstanden werden. Sie eröffnen Perspektiven darauf, wie Demokratie in Krisenzeiten nicht nur verteidigt, sondern transformiert werden kann: durch eine Politik der Vielfalt, Solidarität und geteilten Verantwortung.
Michael Hunklinger ist Politikwissenschaftler und Autor. Derzeit forscht und lehrt er zu den Themen Diversität und Ungleichheit an der Universität Krems. Zudem arbeitet er in diversen internationalen Projekten, die sich vor allem mit Fragen von politischer Partizipation und Repräsentation von LGBTIQ+ Personen beschäftigen.
16.12.2025 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
Zu Beginn meiner ethnographischen Forschung zu und unter rechten Trollen im deutschsprachigen Internet tauchten immer wieder Referenzen auf die Dokumentation „What is a woman?“ des US-amerikanischen Politkommentators Matt Walsh auf. Die Frage „What is a woman?“ entwickelte sich schnell zu einem Meme, das zum Ausdruck brachte, wie weit eine vermeintliche „LGBTQ+-Agenda“ die Grenzen der Gewissheit verschoben hatte. Kurze Zeit später trieb Bijan Tavassoli – zu diesem Zeitpunkt noch Mitglied der Partei „Die Linke“ – die Frage auf die Spitze, als er seine Kandidatur auf einem für Frauen reservierten Listenplatz der Linkspartei in Hamburg ankündigte. Als „Transmuslima“ mit Vollbart und Hijab ging es in der etwa ein Jahr andauernden digitalen Performance darum Trans-Rechts-Aktivisten innerhalb der Linkspartei mit ihren eigenen Waffen zu trollen. Dass diese und ähnliche Formen als Teil eines postdigitalen, memetischen Politaktivismus zu betrachten sind, wird nicht zuletzt durch die zahlreichen Nachahmer deutlich – am prominentesten zuletzt der Fall „Marla Svenja Liebich.“ Mein Vortrag wird sich mit verschiedenen Facetten der Memefizierung von Ungewissheit in der Debatte über Transrechte widmen. Mich interessiert dabei insbesondere wie die als bedrohlich wahrgenommenen Ungewissheit gegenwärtiger Geschlechterdebatten im Sinne metapolitischer Allianzen zwischen Rechtsaußen und konservativen Kräften der Mitte mobilisiert wird. Dieser Zuschnitt erlaubt Einblick in die „autoritäre Wende“ in Form eines emergenten ludischen Faschismus.
Konstanze N’Guessan ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie und Afrikastudien (ifeas) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ihre Forschungsinteressen und Lehrschwerpunkte umfassen die Felder (1) Nationalismus und Nationalstaat, Geschichtsschreibung und Erinnerungspraxis, (2) Elternschaft und Kindheit, Jugendämter und Freilerner (3), Neue Rechte, Metapolitik, Memes und Humor, (4) (post)-digitale Anthropologie und digitale Ethnographie sowie KI, (5) Spielen als epistemische Praxis und Methode in der Ethnologie.
In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sich Konstanze N’Guessan mit digitalen Kommunikationspraktiken wie trolling in post-digitaler politischer Praxis.
06.01.2026 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
Insbesondere in Deutschland waren Mobilisierungen ‚gegen Gender‘, von Beginn an mit pädagogischen und bildungspolitischen Themen verknüpft. Dies wird vor allem an den Angriffen auf die geplante Verankerung von „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im ‚Bildungsplan 2015‘ und der Skandalisierung der ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ ab 2013 deutlich. Inzwischen setzen antifeministische und neurechte Agitationen allerdings nicht mehr nur auf öffentliche Demonstrationen und Diffamierungen, vielmehr konzentrieren sie sich zunehmend darauf, in den privaten Bereich der Familienerziehung vorzudringen. Dabei entwickeln sie u.a. über Ratgeberliteratur eine eigene pädagogische Programmatik, die autoritäre Erziehungskonzepte zu retablieren sucht. Der Vortrag beleuchtet, wie Geschlechter- und Sexualitätsfragen diskursiv ins Private der Familienerziehung verschoben werden. Die antifeministisch-autoritäre Ausgestaltung von Familienerziehung wird anschließend als „leise“ Metapolitik (Meyer 2022) der sogenannten ‚Neuen Rechten’ analysiert.
Juno Grenz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Geschlechterforschung des Institut für Erziehungswissenschaften sowie im Forschungsprojekt „Gender 3.0 in der Schule“ an der Europa-Universität Flensburg. In ihrer Forschung befasst sie sich mit Bildungs- und Subjektivierungstheorien, Queer Theory, Intersektionalität, Diskursforschung, Antifeminismus und Rechtsextremismus. Ihre Dissertation mit dem Titel „Bildung in Zeiten von Antifeminismus“ ist im November 2025 als Open Access im Budrich-Verlag erschienen.
13.01.2026 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
Das gegenwärtige Erstarken rechter und autoritärer Kräfte in der Gesellschaft verändert auch die Bedingungen für Hilfe und Solidarität. Viele NGOs, Hilfsorganisationen und solidarische Zusammenschlüsse sehen sich zunehmend Anfeindungen von rechts ausgesetzt und sind bedroht, ihre Finanzierung zu verlieren. Zugleich entstehen gerade in solchen Bedrohungslagen neue Formen des Zusammenhalts, in denen Menschen einander beistehen, Hilfe leisten und vulnerable Personen zu schützen versuchen.
In unserem Input gehen wir anhand von Beispielen aus unserer Forschung der Frage nach, worin die Unterschiede zwischen Hilfe und Solidarität bestehen, wie sich unter autoritärem Druck die Grenzen dessen verschieben, wer mit wem solidarisch ist, und welche Rolle Hilfe und Solidarität in der Zivilgesellschaft spielen, um dem Druck von rechts etwas entgegenzusetzen.
Greta Wagner und Ruth Manstetten arbeiten zusammen in der von der DFG geförderte Nachwuchsforschungsgruppe „Grenzen des Helfens unter Bedingungen multipler Krisen“.
Greta Wagner ist Professorin für Kultursoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie forscht derzeit zu Praktiken und Diskursen zivilgesellschaftlicher Hilfe. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen darüber hinaus in der Kultur- und Moralsoziologie, der Emotionssoziologie und der symbolischen Ordnung der Ungleichheit.
Ruth Manstetten ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schwerpunkt für Kultursoziologie an der Goethe Universität Frankfurt. Sie befasst sie derzeit mit der qualitativen Erforschung von Hilfe und Solidarität im Kontext von Krisen und Autoritarismus. Zuvor promovierte sie am „International Graduate Centre for the Study of Culture“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einer Arbeit zu Erwerbslosigkeit. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Soziologie sozialer Ungleichheit, Kultur- und Moralsoziologie sowie qualitativen Methoden.
20.01.2026 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.
Von der Einschränkung reproduktiver Rechte bis zur Kriminalisierung queerer Existenz. Wie können wir Antifeminismus als Indikator und Wegbereiter einer autoritären Wende verstehen?
Der Vortrag analysiert die Kontrolle über weiblich gelesene und queere Körper – sei es durch die Einschränkung körperlicher und sexueller Selbstbestimmung oder die Zementierung traditioneller Geschlechterrollen – als zentrales Werkzeug antifeministischer Ideologien.
Alia Wielens (sie; ihr) ist Soziologin (M.A.) und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FAU Erlangen-Nürnberg. In Ihrer Dissertation forscht sie aktuell zur Frage diverser Erinnerungen an französischen Gedenkstätten. Ihre Interessensschwerpunkte sind u.a. die Erforschung von Gedenken und Erinnern, feministische Geschlechterforschung und Extreme Rechte.
28.01.2026 | 12:15 | Philosophicum (Fakultätssaal) (Achtung: Mittwoch!)
Ort: Fakultätssaal (Raum 01-185) im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz.